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Komponist & Werk
Der britische Komponist Roland Bocquet wurde von der Presse als „Esoteriker des Klangs“ gefeiert und in musikalischen Zentren wie Dresden, Berlin, Paris, Wien und New York von renommierten Künstlern aufgeführt. Trotzdem gehört er heute zu den großen Unbekannten der Musikgeschichte. In Dresden ansässig, schuf er über 60 opulent-sinnliche Lieder auf Texte zeitgenössischer Dichter und zahlreiche Klavierkompositionen, die zwischen Impressionismus und Jugendstil, Tradition und Avantgarde changieren. Sie schlagen damit einen völlig eigenständigen Weg ein, der aber die Zugehörigkeit zur musikalischen Moderne nicht verleugnet.

Roland Bocquet wurde als Sohn eines britischen Eisenbahningenieurs und einer flämischen Baronesse in Saharanpur (Indien) geboren. Nachdem er 1900 nach Dresden übergesiedelt war, betätigte er sich als Komponist und Liedbegleiter, so auch auf einer Amerikatournee mit dem renommierten Bassisten Leon Rains. Als Komponist war er Autodidakt. Zwischen 1914 und 1918 war er im so genannten Engländerlager Ruhleben, in dem britische Zivilisten gefangen gehalten wurden, interniert. Nach 1922 sind keine Werke von Bocquet überliefert. In dieser Zeit entwickelte er eine bedenkliche Nähe zur NS-Ideologie und wurde 1936 Professor für Musiktheorie am Konservatorium in Dresden. Vermutlich kam er beim Bombenangriff auf Dresden 1945 ums Leben.
Weitere Forschungen über Roland Bocquet, seine persönlichen Beziehungen und sein Umfeld sind derzeit in Arbeit.
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