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Korngold
KORNGOLD-
KONZERT


13. Juni 2014
Dr. Hoch's Konservatorium Frankfurt, 19 Uhr
Biographie
Erich Wolfgang Korngold wurde 1897 in Brünn in Österreich geboren und galt bereits in jungen Jahren als musikalisches Wunderkind. Mit elf Jahren komponierte er das pantomimische Ballett Der Schneemann, was von seinem Lehrer Alexander von Zemlinsky orchestriert und 1910 an der Wiener Hofoper inszeniert wurde. Weitere Werke wie die Märchenbilder op. 3, einige Klaviersonaten und eine Schauspielouvertüre folgten. Zu den bekanntesten Interpreten seiner Frühwerke zählen neben Arthur Nikisch und Felix Weingartner auch Wilhelm Furtwängler und Richard Strauss. 1916 stellte Korngold mit Der Ring des Polykrates seine erste abendfüllende Opernkomposition vor, die ihm zusammen mit Die Tote Stadt auf den Opernbühnen des frühen 20. Jahrhunderts zu großem Erfolg verhalf. 1924 heiratete er die Sängerin, Schauspielerin und Pianistin Luise von Sonnenthal, mit der er zwei Söhne hatte.
Ab 1934 komponierte Korngold in Hollywood für Max Reinhardt und Warner Brothers; zwei Jahre später emigrierte er mit seiner Familie in die USA. Seine Kompositionsweise war für das neu entstehende Genre vorkomponierter Filmmusik wegweisend. Die Musik war nicht nur angelegt für ein in der Größe den symphonischen Orchesterapparaten des späten 19. Jahrhunderts entsprechendes Filmorchester, sie war außerdem mehr als nur Begleit- und Hintergrundmusik, indem sie direkt den Szenen, den Kameraschnitten und den Dialogen angepaßt war. Erstmals arbeitete ein Filmkomponist mit der Regie und sogar den Schauspielern und Kameraleuten in einer solchen Weise zusammen, daß der musikalische Anteil des Films direkt in den Handlungsverlauf des szenischen Anteils integriert wurde. Korngold prägte dabei die Vewendung der Leitmotiv-Technik, wie sie aus den Opern Richard Wagners bekannt ist, für das Genre der symphonischen Filmmusik. Zwischen 1934 und 1946 entanden knapp 20 Filmmusiken, für die er mehrere Auszeichnungen erhielt.
Ende der 1940er Jahre beendete er seine Tätigkeit als Filmkomponist, um sich wieder der klassischen Orchestermusik zu widmen. Es entstanden noch mehrere Konzerte für Solo-Instrument und Orchester sowie einige Serenaden und Symphonien. Viele der Werke allerdings, die in dieser Zeit entstanden, wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht und gelangten erst mehrere Jahre danach zur Aufführung.
Erich Wolfgang Korngold starb 1957 in Los Angeles.


Werk und Kritik
Ersten Klavierunterricht erhielt Korngold mit knapp neun Jahren, seine ersten Kompositionen entstanden zur gleichen Zeit — noch bevor er, wie aus Berichten seines Vaters Justus Korngold hervorgeht, selbst viel Musik gehört oder viele Konzerte besucht hatte. Beschreibungen des Vortrags seiner eigenen Werke aus dieser Zeit bezeichnen seinen Spielstil als äußerst spontan, rhythmisch frei, beinahe improvisiert.
Zeit seines Lebens empfand sich Korngold selbst als Komponist der modernen Klassik und verstand seinen Stil als eindeutig tonalen Gegenpol zu der Musik Arnold Schönbergs, Alban Bergs und anderen Vertertern der Zweiten Wiener Schule. Dies und sein kompositorischer Hang zum Monumentalen trug ihm mehrmals die vernichtende Kritik zeitgenössischer Musiktheoretiker ein. So äußerte sich beispielsweise Theodor Adorno 1932 in einer Rezension 1932, daß Korngolds Musik keinerlei Existenzrecht besäße, sofern er sich stilistisch nicht von der stark ausschmückenden impressionistischen Tonalität löse. 1922 bezeichnete eine Berliner Rezension der Uraufführung seiner Violinsonate op. 6 diese als „Musikmord, der sich absurd geberdet“, die Dresdner Kritik zum gleichen Werk nannte sie ein „künstlerisch unechtes Ungeheuer“.
Hielt man ihm in jungen Jahren den Mangel an musikalischer Erfahrung vor, der jedes Spiel seiner eigenen Kompositionen wie eine freie Improvisation wirken ließ, liegt in der Kritik an seinen Spätwerken zugleich auch Kritik an dem Genre, für da er viele Jahre komponierte, der Filmmusik. Zu seiner Stummen Serenade op. 36 urteilte die Kölnische Rundschau 1954, es handele sich dabei um „Amüsiermusik“ und „Allerweltsmusik“, wie sie jeder durchschnittliche „Unterhaltungspianist“ zustandebrächte.
Zu Korngolds Werken gehören neben Filmmusik, reinen Klavierkompositionen und Liedern auch Quartette und Orchesterwerke sowie Bühnenkompositionen und eine Psalmvertonung für Chor. In allen Werken sind der Stil opulenter Symphonik und das komplexe, ausdrucksstarke Spiel mit Klangfarben und impulsiven Rhythmen vorherrschend.
Der Schweizer Musikwissenschaftler und Geiger Theo Hirsbrunner schrieb über Korngold: „Erich Wolfgang Korngolds Ruhm überdauerte als der eines Wunderkindes, dem das reife Alter versagt blieb und das gerade auf diese Weise das Staunen der Nachwelt herausfordert.“

Quelle:
Arne Stollwerk (Hrsg.): Erich Wolfgang Korngold — Wunderkind der Moderne oder letzter Romantiker. München 2008.